Bild zeigt Blogbeitragsbild mit einem fröhlichen Kind mit Stift

Schreibübungen für Vorschulkinder?

Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, bitte macht mit den Kindergartenkindern noch keine expliziten Schreibübungen! In der Vorschulzeit geht es darum, die Vorläuferfähigkeiten zu festigen, um so gut auf den Schulstart vorbereitet zu sein. Wenn sie sich für Buchstaben interessieren

Erstklässler fangen in der Regel, in der Schule mit Schwungübungen an, bevor sie echte Buchstaben schreiben lernen. Diese Übungen helfen dem Kind, ein Gefühl für das Halten und v.a. Führen des Stiftes zu bekommen. Die meisten Eltern kennen sie sicherlich noch aus ihrer eigenen Schulzeit, denn sie haben sich im Laufe der Jahre bewährt.

Da die Kinder im ersten Schuljahr alle Buchstaben, Laute und erste Wörter lernen, sollten sie bereits in der Zeit der Vorschule vielfältige Erfahrungen im Umgang mit Stiften gesammelt haben. Schreibvorbereitung umfasst dabei nicht nur Schwungübungen, selbst wenn die oft verwendeten Vorschulblöcke dies suggerieren. 

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Welche Stifthaltung ist die richtige?

In der Regel halten die Kinder einen Stift irgendwann von sich heraus nicht mehr mit der Faust, sondern nutzen die Finger. 

Bei der Frage nach der „richtigen Stifthaltung“ wird meist noch der sogenannte Dreipunktgriff genannt. Und tatsächlich wurde diese Stifthaltung mit den ersten drei Fingern bis vor wenigen Jahren auch noch in Entwicklungstests abgefragt. Wer den Stift nicht mit Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger halten konnte, bekam die Aufgabe als „nicht gelöst“ bewertet. 

Mittlerweile sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse fortgeschritten. Es ist erwiesen, dass es nicht auf den Dreipunktgriff (auch Dreifingergriff genannt) ankommt, sondern das Entwicklungsziel lautet: Beweglicher Feingriff. 

Zu den beweglichen Feingriffen zählt man nicht nur den Dreipunktgriff, sondern auch den Vierpunktgriff und den Interdigitalgriff. Wie diese im Einzelnen aussehen, zeige ich in meinen Kursen und ich gebe Tipps, wie Kinder mehr Sicherheit im Umgang mit Stiften erreichen können. 

Denn es ist wichtig, dass dein Kind einen dieser Griffe durch regelmäßige Übungen verinnerlicht. Das Ziel soll sein, dass es sich später in der ersten Klasse der Grundschule direkt auf die Geschehnisse in der Schule konzentrieren kann und nicht erst überlegen muss, wie man den Stift richtig hält.

Im Vorschulalter sollten die Kinder vielfältige Bewegungserfahrungen sammeln – auch im Umgang mit Stiften. Einen Stift sicher halten und führen zu können ist eine wichtige Voraussetzung, um später einmal eine unverkrampfte Handschrift zu entwickeln. 

Statt Schreibübungen: Malen unterstützen!

Typischerweise beschäftigen sich die Kinder mit Tätigkeiten wie Ausmalen, Abmalen und dem freien Malen. All dies erfordert unterschiedliche Kompetenzen. 

So benötigen die Kinder bei Malbüchern kein inneres Konzept vom Bild und es ist auch nicht erforderlich, dass sie graphomotorische Grundmuster malen können (die Basismuster, auf denen später die Druckschrift aufbaut. 

Beim Abmalen sieht das schon wieder etwas anders aus. Zwar benötigen sie hier auch noch keine innere Vorstellung, aber sie müssen schon in der Lage sein, etwas zu übertragen und hier eine gewisse Sicherheit in der Formwahrnehmung und Wiedergabe haben. Aus diesem Grund zählt die Aufgabe „Male ein Haus, einen Baum und eine Sonne“ zu vielen Vorschuluntersuchungen mit dazu. Denn an der Art, wie ein Kind ein Haus malt (hat es ein spitzes Dach, also kann es schon ein Dreieck malen? Oder ist es ein Flachdachhaus?) erhält man erste Hinweise auf den Entwicklungsstand. 

Schwungübungen statt Schreibübungen in der Vorschule

Warum werden nun aber auch Schwungübungen eingesetzt? Was sind die Vorteile? 

  • Dein Kind lernt, wie es den Stift führen kann – und muss sich bei Schwungübungen erst mal nicht um den Bildaufbau bzw. eine Bildgestaltung kümmern. Wer also an diesen Stellen noch Schwierigkeiten hat, wird erst mal entlastet und kann sich aber dennoch im Umgang mit einem Stift üben.
  • Dein Kind trainiert mit Schwungübungen in der Vorschule seine Auge – Hand – Koordination. Das Auge gibt den Weg vor, die Hand mit dem Stift darf folgen.
  • Bei Schwungübungen lernen die Kinder den Handtransport. Denn das Handgelenk darf nicht zu fest auf die Unterlage drücken – sonst würde die Hand nicht Weiterrutschen können. Und genau dieses Weiterrutschen der Hand ist später wichtig beim Erlernen der Schrift. Im Schreibprozess benötigen wir in der Regel nach etwa 2-3 Buchstaben eine kleine Pause im Schreibprozess, um die Hand Nachrutschen zu lassen.Man nennt diese auch Entspannungsunterbrechung. Je mehr Übungserfahrungen im Handtransport die Kinder im Vorschulalter gesammelt haben, desto leichter gelingt ihnen dann später auch, im Schreibfluss Entsoannungsunterbrechungen zu nutzen, ohne dass dies den Schreibfluss stört.

Welche Stifte für Schwung- und Schreibübungen?

Jüngere Kinder können mit dicken Buntstiften oft leichter malen und zeichnen. Sie liegen einfach besser in der Hand. 

Grundsätzlich sind Buntstifte besser geeignet als Filzstifte. Denn hier bekommen die Kinder eine bessere Rückmeldung über den Druck auf en Stift. Dies kann man auch spielerisch nutzen, indem das Kind z.B. ein Bild mit nur wenigen Farben malen, dafür aber durch Stiftdruck die Farbschattierungen bestimmen soll. So gibt es dann ein blasses Rot, ein mittleres Rot und ein kräftiges Rot – je nach dem, wie stark sie mit einem Stift auf das Papier drücken.

Schwungübungen kann man sowohl mit Buntstiften, als auch mit Filzstiften, Wachsmalern und sogar Pinseln durchführen. Bringt ruhig etwas Vielfalt hinein, denn so macht es direkt viel mehr Spaß.

Mit Dreikant-Buntstiften lässt sich die Drei-Finger Stifthaltung (Dreipunktgriff) einfacher üben. Die Finger haben dabei jeweils eine Seite am Stift, „für die sie zuständig sind“.  Wobei diese wie oben beschrieben nicht zwingend die einzige Stifthaltung ist, die richtig und gut ist.

Wählt am besten Stifte aus, die dein Kind gut findet. Dann wird es lieber damit malen. Das können dann also gern auch Mal Stifte mit Neonfarben oder Glitzer sein. In meiner Praxis sind insbesondere die Gold – und Silberstifte sehr beliebt. 

Achte beim Stiftkauf darauf, dass diese eine weiche Miene haben. Ich empfehle in meiner Ergotherapie-Praxis die Lyra Farbstifte*. Ihre weichen Mienen sorgen für einen schnelleren Farbauftrag und sattere Farben. So wird nicht nur das Ergebnis schöner – dein Kind muss auch weniger Kraft aufwenden.

Dein Kind ist Linkshänder? Dann solltest du in jedem Fall günstige Stifte vermeiden, denn diese haben häufiger eine harte Miene und einen ungünstigen Farbauftrag. Anders als Rechtshänder, müssen linkshändige Kinder (und Erwachsene) beim Schreiben oder Malen den Stift von links nach rechts aufs Papier schieben bzw. drücken. Rechtshänder hingegen ziehen den Stift von links nach rechts. Je mehr Kraft sie dafür aufwenden müssen, desto eher verkrampft die Hand und sie verlieren die Freude am Malen und Schreiben. 

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Werbung: Der Druckbleistift hat eine gute ergonomische Griffmulde. Ideal für Kindergartenkinder, denen die Stifthaltung noch nicht so leicht fällt. 

Mal – und Schreibübungen nach Alter

Im Kleinkindalter erproben Kinder, was man mit Stiften alles anstellen kann. Kritzeln, Punkten, Hin – und Herbewegenden, Spiralen – all diese Spuren erkunden sie ganz aus sich heraus und deine Aufgabe ist, deinem Kind Gelegenheit fürs Experimentieren mit Stiften (aber auch Fingermalfarbe, Wasserfarbe usw.) zu geben. 

Im Kindergartenalter kommt meist das Interesse für Ausmalbilder hinzu. Begrenzungen einhalten ist hier die größte Herausforderung. Beim freien Malen beginnen die Kinder zudem, ihr Bild hinterher zu kommentieren. Sie betrachten ihr Gemaltes und bekommen beispielsweise den Gedanken „Das ist eine Rakete“! 

Je älter das Kindergartenkind wird, desto präziser werden die feinmotorischen Bewegungen und desto mehr Bedeutung bekommt das fertige Bild. Nun sind sie auch in der Lage, sich vorab zu überlegen, was sie konkret zu Papier bringen wollen. Sie haben also jetzt zuerst den Gedanken, eine Rakete zu malen und überlegen dann, wie sie ihr Ziel erreichen könnten.

Wirkliche Schreibübungen sollte dein Kind erst in der Schule machen. Im Vorschulalter geht es darum, Sicherheit im Umgang mit Stiften zu erlangen.

Wenn die Kinder sich für Buchstaben und den eigenen Namen interessieren ist das total ok. Wenn es dich fragt, wie ein gewisser Buchstabe geschrieben wird, dann kannst du ihm gern antworten. Hüte dich jedoch davor, den Schreiblehrgang der Schule schon vorwegnehmen zu wollen. 

Bei allen vorgegebenen Malanlässen solltest du abschätzen, ob deinem Kind diese Spaß machen oder es eventuell noch überfordern. Hole es mit den Anforderungen da ab, wo es entwicklungsbedingt steht. 

Wenn du dir ein wenig Unterstützung wünscht, lade ich dich herzlich zu meinem Onlinekurs für Eltern ein. Ich nenne ihn die Stiftmotorik Challenge. 

Die Challenge besteht für die Eltern darin, sich Zeit für die eigene Weiterentwicklung zu nehmen. 

Bild zeigt Mädchen, das mit der linken Hand einen Stift hält

Mal- und Schwungübungen kommen vor Schreibübungen in der Vorschule

Bevor dein Kind in der Schule mit  Schreibübungen konfrontiert wird, sollte es im Kindergartenalter bzw. in der Vorschule vielfältige Bewegungserfahrungen mit Stiften gemacht haben.

Idealerweise hat es selbst großen Spaß am Malen und lässt seiner Phantasie freien Lauf.

Manche Kinder haben hier noch Schwierigkeiten und benötigen achtsam ausgewählte Anforderungen und Ideen, um nicht überfordert zu werden und dadurch in ein ein Vermeidungsverhalten zu kommen.

Warum ist das Malen und der Umgang mit Stiften im Kindergarten so wichtig?

Durch diese ganz natürlichen kindlichen Beschäftigungen und Aktivitäten wird z.B. die Auge- Hand-Koordination geschult, aber auch die Koordination der kleinen Hand- und Fingermuskeln.

Zudem unterstützen diese Aktivitäten dein Kind dabei, sich besser auf eine Sache konzentrieren zu können. Ich kann es nicht oft genug betonen: Schreibübungen in der Vorschule sind überflüssig. Biete deinem Kind hingegen ausreichend Gelegenheit, sich im kreativen Umgang mit Stiften zu erfahren.  

In der Vorschule dreht sich auch sehr viel um die Formwahrnehmung. Dein Kind lernt, Muster und Figuren nachzumalen und die Umrisse nachzuspuren. Hierdurch verinnerlicht es die Formen und Figuren, so dass es diese danach dann bald eigenständig zeichnen kann.

Schwungübungen in der Vorschule?

Wichtig ist, wenn du mit deinem Kind die ersten Schwungübungen machen möchtest, dass du es anfangs bei diesen Übungen unterstützt.

Du solltest immer wieder Rückmeldung geben, wie dein Kind zu welchem Ergebnis gekommen ist. Das motiviert und spornt zum Weitermachen an.

Fange mit einfachen Aufgaben an und erhöhe nach und nach den Schwierigkeitsgrad, damit es nicht langweilig wird. Nutze eher Malanlässe und Schwungübungen statt Schreibübungen für die Vorschule. Dein Kind soll keinen Druck verspüren sondern Spaß daran haben, den Stift zu halten und damit tolle Bilder zu gestalten.

Mit Druck oder Unterverständnis verlieren Kinder oft das Interesse und schlimmstenfalls vermeiden sie dann den Umgang mit Stiften. Das wollen wir unbedingt vermeiden!

Mit Spaß und Lust bei der Sache lernt es sich viel einfacher und ganz ohne Zwang. 

Bild zeigt fröhliches Mädchen mit einem Stift in der Hand

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Hey, ich bin Elke!

Mit mir bekommst du mehr Klarheit über den Entwicklungsstand deines Kindes und Ideen, wie du es sinnsvoll auf dem Weg bis ins Grundschulalter unterstützen kannst.
Seit mehr als 15 Jahren stehe ich Eltern bereits als Dipl-Ergotherapeutin bei Fragen zur Kindesentwicklung und -förderung mit Rat und Tat zur Seite.