Ergotherapie bei Kindern

Wann braucht ein Kind Ergotherapie?

Ergotherapie bei Kindern wird dann verordnet, wenn die Gesamtentwicklung oder Teilbereiche der Entwicklung (z.B. nur die Grobmotorik; nur die Konzentration etc.) krankheitsbedingt verzögert sind und es dadurch zu Einschränkungen in der Handlungsfähigkeit des Kindes kommt.

Bitte habe keine Angst vor dem Begriff “Therapie” in unserer Berufsbezeichnung. Unsere Aufgabe ist es, dein Kind und dich so zu unterstützen, dass dein Kind die Dinge, die es selbst tun möchte oder die von seiner Umwelt (z.B. durch Kindergarten oder Schule) vorgegeben sind, bestmöglichst durchführen kann.

 

Behandlung auf Kosten der Krankenkasse?

Die Krankenkasse bezahlt in der Regel dann eine Ergotherapie, wenn tatsächlich eine Erkrankung oder Entwicklungsstörung vorliegt. 

Oftmals kommen zu mir in die Praxis Kinder mit Verdacht auf Entwicklungsstörungen. Im Rahmen eines Erstrezeptes können wir dann u.a. eine Entwicklungsdiagnostik, einen Befund und eine Beratung durchführen sowie weitere geeignete Beobachtungen tätigen. Für den Arzt sind dies wichtige Ergebnisse, die er für eine genaue Einschätzung benötigt.

 

Beratung auf Selbstzahlbasis

Auch wenn noch keine Diagnose vorliegt kann eine ergotherapeutische Beratung sinnvoll sein, um Fragen zu klären oder Anregungen zu geben. Dies kann auf Selbstzahlbasis auch rezeptunabhängig erfolgen.

 

Entwicklungsdiagnostik

In meiner Praxis kommt u.a. der Entwicklungstest ET 6-6 zum Einsatz, welcher standardisiert und in Deutschland ab dem 6. Lebensmonat bis zum 6. Lebensjahr normiert wurde. 

Als Ergebnis erhalten wir dann ein sogenanntes Entwicklungsprofil, welches die Fähigkeiten eines Kindes in verschiedenen Entwicklungsbereichen anzeigt: Körpermotorik, Handmotorik, Gedächtnis, Handlungsstrategie, Kategorisieren, Sprachentwicklung, Sozio-emotionale Entwicklung sowie Nachzeichnen/Malentwicklung.

Es geht dabei nicht darum, ein Kind in eine bestimmte Schublade zu stecken, sondern erst einmal den IST-Zustand festzustellen und darüber ins Gespräch zu kommen. Nicht jede Abweichung ist gleich ein Zeichen für eine Entwicklungsstörung! 

Deshalb erhältst du zu Rezeptende ein ausführliches Elterngespräch, in dem wir die einzelnen Punkte genau durchgehen. Nicht selten stellt sich dann zum Beispiel heraus, dass das Kind bisher keine Möglichkeit gehabt hat, bestimmte Dinge zu erlernen. Sei es, dass geeignetes Beschäftigungs- und Anregungsmaterial fehlte, es überbehütet aufgewachsen ist, sich hauptsächlich innerhalb geschlossener Räume aufgehalten hat oder die Eltern z.B. keine Zeit oder Ideen zum gemeinsamen Spiel und der gemeinsamen Beschäftigung gehabt haben.

Mir ist es daher wichtig, im Elterngespräch auf konkret umsetzbare Tipps einzugehen und Zusammenhänge zu erklären. Oftmals muss dann gar keine längerfristige Therapie aufgenommen werden, sondern wir können uns auf eine kontrollierte Entwicklungsbeobachtung einigen: 

Wir vereinbaren einen Kontrolltermin nach einer bestimmten Zeit (z.B. 6 Monate) und während dieser Zeit versuchst du bzw versucht ihr, in eurem Alltag einige der Ratschläge abzuändern. In vielen Fällen kann so ein guter Entwicklungsimpuls gegeben und eine Therapie vermieden werden.

 

Ergotherapie bei Entwicklungsstörungen

In manchen Fällen jedoch sind die Entwicklungsrückstände so stark, dass sie nicht mehr mit häuslichem Üben aufgeholt werden können. Grob gesagt kann man bei Säuglingen ungefähr davon ausgehen, dass ein Entwicklungsrückstand von mehr als 3-4 Monaten auffällig ist, bei Kleinkindern ein Rückstand von 6-12 Monaten. Diese Rückstände sollten dann ärztlicherseits genauer abgeklärt werden. Wir in der Ergotherapie können nur klären, was ein Kind wie macht- das “warum” ist Teil der ärztlichen Diagnostik.

Manchmal ist es also tatsächlich notwendig, eine längerfristige therapeutische Begleitung anzustreben.

 

Bei Kindern sind folgende Indikationsgruppen für die Ergotherapie relevant:

  • EN1: ZNS-Erkrankungen und/oder Entwicklungsstörungen längstens bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres
  • PS1: Geistige und psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter (Entwicklungsstörungen; Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in Kindheit und Jugend)

 

Folgende ergotherapeutische Maßnahmen werden in der Regel verordnet:

  • Sensomotorisch-perzeptive Behandlung
  • Psychisch-funktionelle Behandlung
  • Hirnleistungstraining

 

Vor-Ort-Termin bei euch zu Hause

Manchmal macht es Sinn, dass wir uns vor Ort bestimmte Gegebenheiten anschauen, z.B. zu Hause oder auch im Kindergarten.

Im Rahmen der “Beratung zur Integration ins häusliche Umfeld” habe ich einmalig pro Behandlungsfall die Möglichkeit, zu dir/euch nach Hause zu kommen (oder in entsprechende Institutionen) und mich vor Ort mit den Beteiligten auszutauschen/abzusprechen. Bitte spreche mich persönlich an, wenn du von dieser Möglichkeit Gebrauch machen möchten.